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"Früherer CDU-Landrat bei Lanz:
„Zur Mitte zähle ich auch die Linke!“
Widerspruch gegen den eigenen Partei-Chef Friedrich Merz (68, CDU)! Werner Henning (67, CDU) war fast 35 Jahre Landrat in Eichsfeld (Thüringen). Bei Lanz offenbarte das Partei-Urgestein plötzlich: Er hätte kein Problem mit einer Zusammenarbeit seiner eigenen Partei mit den Linken.
Henning geht sogar so weit die Linke zur politischen Mitte zu zählen: „Unter der Mitte verstehe ich die Parteien, die aktuell im demokratischen Spektrum sind und dazu zähle ich auch die Linke!“
Ein krasser Widerspruch zu dem, was sein Partei-Chef noch vor wenigen Tagen im ARD-Sommerinterview sagte. Dort schloss er eine Zusammenarbeit mit der Linken aus.
Hennings Bilanz: „Wir haben in Thüringen jetzt 10 Jahre eine linke Regierung und ich sehe die Kompromissfähigkeit, die Bereitschaft auch Lösungen zu finden. Die hat man von der CDU-Seite zu sehr abgelehnt“.
Werner Henning war der dienstälteste Landrat Deutschlands, fast 35 Jahre war er Landrat in Eichsfeld. Bei der vergangenen Kommunalwahl am 26. Mai 2024 trat er aus Altersgründen nicht wieder an. Seine Nachfolgerin ist Marion Frant (53, CDU) auch aus seiner Partei.
Kritik an der eigenen Partei
Henning spart nicht mit Kritik an der eigenen Partei: „Es war ein Fehler der Linken zu wenig Spielraum einzuräumen sich auch zu ändern“.
Kritik hat er auch generell an Bundesregierung: „Ich erwarte einfach Respekt, dass die große Politik in Berlin auch vertraut, dass das, was wir vor Ort tun, ein Teil des Großen Ganzen ist.“
Sein ernüchterndes Fazit: „Die große Politik zieht alles an sich, liefert aber am Ende des Tages nicht.“
Partei-Struktur im Osten
Ein Problem sei auch, dass die Parteienlandschaft im Osten zu kompliziert sei. Soziologe Steffen Mau (55): „In Ostdeutschland findet man oft ein sehr passives Verhältnis zur Demokratie, die Parteien sind auch viel weniger verwurzelt. Die Parteistrukturen sind im Osten andere.“
Es gelinge den Parteien nicht zu den Wählern durchzudringen, meint auch Landrat Werner Henning: „Es ist den bürgerlich-konservativen Parteien bisher nicht gelungen ist die Wähler zu erreichen“.
Zum Abschluss fasst Journalist Robin Alexander (49, WELT, gehört wie BILD zum Axel-Springer-Verlag) das Problem zusammen: „Die Leute bekommen keine Kinder, sind nicht in der Gewerkschaft, gehen nicht zur Kirche und treten nicht in die Parteien ein.“
Das mag sein dass das in Thüringen funktioniert und daher Sinn macht entsprechend pragmatisch mit der Linken umzugehen allerdings gehört sich deswegen noch lange nicht in die politische Mitte. In meinen Augen gilt das auch über die Linke als Partei sondern eben auch für die linken bzw linksaussen Flügel von SPD und den Grünen.