Gurkenplatzer hat geschrieben: 5. Aug 2025, 14:26
Felix94 hat geschrieben: 5. Aug 2025, 13:43
Meine Freundin arbeitet im öffentlichen Dienst. Sie wurde / wird in ihrer Abteilung gemobbt und war deswegen auch längere Zeit krankgeschrieben.
Anscheinend möchte man sie nun loswerden. Jedenfalls wird alles gesucht, um ihr personalrechtliche Konsequenzen anzuhängen.
Als Beispiel: Sie arbeitet im Homeoffice und darf dort auch Akten mitnehmen und bearbeiten. Diese müssen laut Dienstanweisung vor und nach der Bearbeitung in einem abschließbaren Schreibtisch oder Aktenschrank gelagert sein. Während einer virtuellen Teambesprechung hatte sie eine Frage zu einer Akte und diese daher auf ihrem Schreibtisch liegen. Durch die eingeschaltete Webcam hat ihr Chef gesehen, dass sie die Akte während der Besprechung nicht aus dem abschließbaren Schrank geholt hat sondern bereits auf ihrem Schreibtisch lag. Für sie war das eigentlich völlig legitim, weil die Besprechung zur abschließenden Klärung der Bearbeitung notwendig ist.
Ihr Chef hat das aber als Verstoß gegen die Dienstvereinbarung angesehen und die Personalabteilung informiert. Nach einem Gespräch hat meine Freundin eine Abmahnung wegen Datenschutzverstoß erhalten.
Nun gibt es wieder solch eine Nichtigkeit. Ihre Mutter hatte sie gestern im Büro auf dem Handy angerufen, da ihr Vater mit Herzrhythmusstörungen ins Krankenhaus gekommen ist. Sie haben 6 Minuten telefoniert. Ihr Chef hat das mitbekommen, ihre Zeiterfassung überprüft und gesehen, dass sie sich für das private Telefonat nicht ausgestempelt hat. Nun wirft man ihr Arbeitszeitbetrug vor und hat auch das wieder an die Personalabteilung weitergeleitet. Ihr droht wohl mindestens eine weitere Abmahnung, vielleicht auch die Kündigung.
Ich bin mir absolut sicher, dass man sie dort loswerden will. Meine Freundin hat nun ein interessantes Jobangebot ab Oktober erhalten, das sie wohl auch annehmen wird.
Was würdet ihr denn empfehlen? Selbst kündigen? Oder es darauf anlegen, dass man sie nun nach dem weiteren Vorfall kündigt und dann Klage mit dem Ziel einer Abfindung einreichen?
Auf den Chef zugehen und ansprechen, dass er offensichtlich will dass sie geht. Sagen, dass man auch keinen Sinn mehr sieht in weitermachen. Darauf hinweisen, dass der Kündigungsschutz Prozess der Firma teuer werden kann trotz verschiedener Abmahnungen. Auf Summe x einigen, sehr gutes Zeugnis und Enddatum zum neuen Job hin.
Und war es zudem nicht so, dass es Abmahnungen des gleichen Grundes sein müssen?
Zudem hat der AG schlechte Karten bei einem Prozess, wenn sie auf einmal in kürzester Zeit zig Abmahnungen erhält.
Das mit der Akte ist m.M.n. absoluter Schwachsinn. Man bereitet sich auf ein Gespräch vor, in dem Sinne ist die Abmahnung m.M.n. sowieso nichtig.
Bzgl. Handy - das muss im Arbeitsvertrag oder Zusatzvereinbarung geregelt sein. Ist die Nutzung generell erlaubt und war es das erste Mal sehe ich das auch unkritisch.
Manche Arbeitgeber versuchen es sich leicht zu machen und Abmahnungen sind schnell verteilt - ob gerechtfertigt oder nicht.