Abgelehnter Asylbewerber
„Er hat versucht, mich mit der Zunge zu küssen“, sagt die Zeugin. Fadi M. grinst
Der abgelehnte Asylbewerber Fadi M. steht wegen Vergewaltigung vor Gericht in München. Als eine junge Zeugin von seinen Übergriffen in der Flüchtlingsunterkunft berichtet, zieht er unentwegt Grimassen. Die Aussagen geben Einblick in eine Parallelwelt, in der das Recht des Stärkeren gilt.
Fadi M., 40 Jahre alter abgelehnter Asylbewerber aus Jordanien, schneidet Grimassen. Er grinst die 19-jährige Ukrainerin im Zeugenstand im Landgericht München an. Sie ist aus Sicht der Anklage eines seiner Opfer. Er soll sie in einer Flüchtlingsunterkunft in Tegernsee in Oberbayern gegen ihren Willen geküsst und sexuell bedrängt haben. Sie ist nicht die einzige Betroffene und auch nicht die, die es am schwersten getroffen hat. Eine andere junge Frau soll er vergewaltigt haben.
Mal nickt er, wenn die Ukrainerin etwas sagt, mal lacht er. Er hebt die Hände. Er lupft die Augenbrauen und lässt sie auf- und niederzucken. Dabei reißt er die Augen auf und starrt die Zeugin an. Einmal beugt er sich vor und berührt mit der Stirn den Tisch, reckt sich dann wieder hoch und fixiert die Zeugin erneut mit Blicken. Er ist nicht eine einzige Sekunde ruhig. Er redet nicht, aber er kommentiert nonverbal jedes Wort und jede Bewegung der Zeugin.
Die Zeugin soll erzählen. Sie seien in der Unterkunft die Nachbarn von Fadi M. und seiner Frau gewesen. Ihre Mutter habe sich mit der Frau von Fadi M. angefreundet. Einmal seien sie zu Besuch gewesen. Die Mutter habe dann in die Küche gehen wollen, zum Kochen. Die Küche war eine Gemeinschaftsküche, eine Etage tiefer. Als die Mutter sich erhob, habe sie auch gehen wollen, sagt die Zeugin. Fadi M. und seine Frau hätten sie aber überredet zu bleiben. Also sei sie geblieben. Die Frau sei dann auch rausgegangen.
Sie sei mit Fadi M. allein im Zimmer geblieben. Sie hätten sich über die Übersetzer-App von Google auf dem Handy unterhalten, weil sie kein Arabisch und Fadi M. kein Ukrainisch spreche. „Warum sagen die Leute, ich sei schlecht“, habe er ihr gesagt. „Ich bin doch nicht schlecht.“ Dann habe er gesagt: „Schau, ich gehe jetzt zu Dir ran.“ Jedenfalls übersetzt die Dolmetscherin so ihre Aussage. „Dann kam er auf mich zu und hat mich geküsst.“
„Ihr sollt das unter Euch regeln, wenn es Streit gibt“
Fadi M. grinst sie jetzt an.
„Auf die Lippen“, übersetzt die Dolmetscherin, was dann der arabische Dolmetscher für Fadi M. übersetzt. Fadi M. nickt mit dem Kopf und lacht.
„Ich habe versucht, mich loszureißen.“
„Wie alt waren Sie da?“, fragt Richterin Holstein. „16.“ Ob das alles unvermittelt gekommen sei? „Ja, komplett unerwartet.“ Ob sie das gewollt habe. „Nein.“ „Also, das ist niemand, der Ihnen gefallen hat?“, fragt die Richterin nach. „Nein!“
Dann habe Fadi M. versucht, sie in sein Zimmer zu lotsen, gibt die Zeugin an. Und er habe ihr gesagt, sie solle nichts sagen, weil doch seine Frau schwanger sei. „Ich weiß, dass er viele Frauen angebaggert hat“, sagt die Zeugin. Richter und Staatsanwalt bohren nach: Was Anbaggern bedeute? Woher sie das überhaupt wisse? „Es gab Gerüchte“, übersetzt die Dolmetscherin die Zeugin. Nachfragen: nur Gerüchte? „Als sie in der Küche waren, da hat meine Nachbarin gesehen, dass er sie angebaggert hat.“
"Sie“, das ist Dina, ein anderes Opfer, das es bedeutend schwerer erwischte. Fadi M. habe sie einmal auf einer Busfahrt „angebaggert“ und überredet, zusammen mit ihm auszusteigen und sich an einem Pumpenhäuschen am Ortseingang von Tegernsee mit ihm auf eine Bank zu setzen. Da sei er über sie hergefallen, habe sie festgehalten, sei mit den Händen unter T-Shirt und Slip gefahren, habe sie befingert, sei in sie eingedrungen. Er habe sie zum Oralverkehr gezwungen, sie gebissen und verletzt. So steht es in der Anklage.
Darin steht auch, dass es ein paar Tage später in der Unterkunft Streit mit dem Vater von Dina gegeben habe. Da habe Fadi M. ein Messer gezogen und gedroht. Und da habe dann endlich auch jemand die Polizei gerufen, die dann endlich auch mal gekommen sei.
Ansonsten habe es immer geheißen, „ihr sollt das unter Euch regeln, wenn es Streit gibt“. Das hätten etwa die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes der Unterkunft gesagt, erzählen die 19-jährige Ukrainerin und ihre Mutter, die ebenfalls als Zeugin geladen war. Auch sie berichtet von einem Übergriff. Fadi M. habe sich von hinten genähert, als sie auf einem Stuhl gesessen habe, und sie an den Brüsten gepackt.
Einmal flüstert die Mutter etwas zur Übersetzerin, und die Übersetzerin sagt: „Sie hat mich gebeten, das nicht zu übersetzen.“ Und nach einer kurzen Pause übersetzt sie es dann doch: „Sie hat gesagt, sie mag ihn nicht“ – und meint Fadi M., der die Hände zu einer theatralischen Geste erhebt, als sein Dolmetscher das für ihn übersetzt.