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Elternteil pflegen/helfen

Verfasst: 28. Mär 2026, 08:30
von Matt-Eagle
Ich schreibe es mal hier rein, wenn's nicht passt bitte verschieben. Hab jetzt kein passendes Unterforum gefunden.
Wie der ein oder andere mitbekommen hat ist Ende Dezember mein Vater mit 63 verstorben. Nun lebt meine Mutter alleine im Haus mit den zwei Hunden. Bei ihr ist noch in Abklärung ob Sie eine beginnende Demenz hat. Depressionen hat sie aber definitiv und nimmt auch etwas dafür. Meine Frau ist 41 ich 36.
Seit Ende Dezember waren wir bisher jedes Wochenende dort, teilweise auch mal unter der Woche. (einfache Fahrt 110km). Wir investieren sehr viel Zeit was für mich mittlerweile zur Normalität geworden ist. Aufräumen, Einkaufen, Rechnungen bearbeiten, Anträge machen usw. Natürlich pumpen wir auch Geld rein, sie hatten nie besonders viel auf Seite legen können. Nächste Woche sind wir mal nicht dort weil wir im Kurzurlaub sind, selbst da habe ich jetzt schon ein schlechtes Gewissen Sie alleine zu lassen nicht zu besuchen und ihr zu helfen. Auch wenn wir grundsätzlich täglich mit ihr per Videocall telefonieren. Meine Frau kommt langsam oder ist schon an ihrem Limit und ich weiß ich verlange ihr viel ab, vielleicht zu viel. Ich habe grundsätzlich die Gedanken das sich meine Mutter auf uns verlässt und natürlich auch mein Vater. Wir haben schon öfters darüber gesprochen etwas kürzer zu treten aber ich befinde mich da in einer Zwickmühle. Habt ihr damit Erfahrungen? Tipps? Wie würdet ihr damit umgehen?
Ich weiß, riesen Text
Vielleicht ergibt sich ja eine Diskussion

Re: Elternteil pflegen/helfen

Verfasst: 28. Mär 2026, 08:42
von powertube
Mein Beileid zum Verlust deines Vaters und zur Situation an sich. Ich bin zwar (noch) nicht direkt in einer ähnlichen Situation, kenne das aber aus dem Familienumfeld. Zwickmühle ist das Spannungsverhältnis zwischen den 3 Polen:

Verantwortung für deine Mutter
Verantwortung für deine Frau und dich selbst
Dein Gewissen (Vater hätte sich auch auf uns verlassen)

Hört sich vielleicht hart an, aber im Gegensatz zur Eltern Kind Beziehung (Eltern entscheiden sich bewusst dafür Kinder zu bekommen und die entsprechende Verantwortung zu übernehmen, ist die Kind Eltern Beziehung ja keine bewusste Entscheidung. Mal als Anregung um das eigene schlechte Gewissen zu hinterfragen.

Wenn Sie Depressionen und ggf Demenz hat , ists ein Fall für dauerhafte, strukturierte Hilfe. Neben den Themen Pflegegrad, Pflegedienst, ggf Unterbringung (die gewiss nicht leicht sind) bitte mal in dich gehen, ob dein Vater gewollt hätte, dass ihr euch selbst verheizt.

Habt ihr Kinder? Was würdest du als Vater wollen/erwarten?

Edit: Ich möchte es sogar noch ein wenig drastischer formulieren: Helfen ja, aufopfern nein. Ich würde in der Situation zuerst schauen, dass sie in eure Nähe zieht. Ist auch egal wie die aktuelle Wohnsituation (Miete, Eigentum) ist, aber wenn ich 110km einfache Strecke lese, kriege ich schon ne halbe Panikattacke. Das ist absurd und funktioniert dauerhaft nicht.

Re: Elternteil pflegen/helfen

Verfasst: 28. Mär 2026, 09:25
von Matt-Eagle
Sie kommt aktuell noch ganz gut alleine zurecht und ein Fall für ein Heim wäre es noch nicht. Sie hatte eine Untersuchung dazu aber da warten wir noch auf die Ergebnisse bzw dann auch auf ein weiteres Vorgehen. In ein Heim würden wir sie nicht geben, wir würden es wohl erstmal bei uns probieren. So lange es geht.

Wir haben keine Kinder und wollten auch keine

Sie würde grundsätzlich sofort zu uns kommen aber mit 2 großen Hunden geht das nicht und die möchte Sie auch nicht aufgeben. Dazu kann ich Sie nicht zwingen und würde ich auch nicht

Re: Elternteil pflegen/helfen

Verfasst: 28. Mär 2026, 11:12
von Dicker alter Mann
Wir hatten eine ähnliche Situation. Keine Kinder, dafür hatten wir 2 Hunde.

Mit 65 Jahren hat sich mein Vater nach 40 Jahren Ehe von meiner Mutter getrennt. Meine Mutter war seit ihrer Jugend bipolar. Nach der Trennung entwickelte sich bei ihr aus ihrer Bipolarität eine schizoaffektive Störung. Wir bauten den Keller um zu einer kleinen Wohnung mit Gartenzugang und nahmen sie bei uns auf.

Was zu Beginn nur eine grundsätzliche und eher oberflächliche Hilfe bei Alltagsproblemen war entwickelte sich zunehmend zu einer ganztägigen Rundumbetreuung, die meine Frau und mich an den Rand der Erschöpfung und darüber hinaus gebracht hat.

Das Problem ist, hat man einmal den Entschluss gefasst, ein Elternteil zu sich zu nehmen, dann macht man das nicht mehr so einfach rückgängig. Man geht den ersten Schritt und der fühlt sich gut an, dann steigert sich langsam die Belastung und es fühlt sich dennoch, immer noch, richtig an. Und dann kommt irgendwann der Punkt, an dem es sich nicht mehr richtig anfühlt, nur will man den nicht wahr haben. Und geht weiter und weiter bis man ausgebrannt ist. Man selbst und der Partner.

Und immer noch versucht man, die Situation mit allen möglichen Mitteln zu meistern. Kurzzeit-Pflege (bis zu 4 Wochen), Pflegestufe, selbst bezahlte Pflegehilfe, Tagespflege, usw.....

All das ändert nichts. Du musst organisieren, du musst fahren, du machst Termine, du wartest hier und da und dort, du, du, du.

Erst, als meine Mutter Anfang 2020 eine Demenz entwickelte waren wir nach drei sehr unangenehmen Vorfällen am Endpunkt angekommen. Aber auch der hat noch bis 2022 gedauert. Meine Mutter starb während Corona an Corona in der geschlossenen Abteilung eines Pflegeheims.

15 Jahre meines Lebens und des Lebens meiner Frau. Ausgezehrt, ausgebrannt, desillusioniert. Mich belastet das heute noch. Und es ist 4 Jahre her.

Lange Rede, kurzes Fazit.

Nie wieder würde ich den Schritt gehen. Du gibst DEIN Leben auf.

Was mir noch einfällt und was wichtig ist.

- Vorsorgevollmacht beim Notar einrichten. Generalvollmacht!

Du stehst sonst im schlimmsten Fall ohne jegliche Befugnisse da.

- Übertragung von Immobilien sofort und nach Möglichkeit Vermögen im Rahmen der Freigrenzen verschenken. Jeder Monat zählt!

Sonst kannst du dabei zuschauen, wie über Jahrzehnte aufgebautes Vermögen schmilzt wie Eis in der Sonne. (Der Eigenanteil der Pflege meiner Mutter hat knapp 4 k im Monat gekostet = 96.000 € in zwei Jahren).

Jetzt..... JETZT!

Re: Elternteil pflegen/helfen

Verfasst: 28. Mär 2026, 11:43
von Matt-Eagle
Richtig das merke ich auch, du machst Termine, man muss fahren etc. Teilweise Urlaub nehmen dafür usw. Wenn ich aber die Bedingungen in einem Heim sehe und was das kostet wird mir kotz schlecht. Das ist ja teilweise Menschenunwürdig wie die Leute leben müssen.

Ich habe vor 15 Jahren schon gepredigt alles auf mich zu schreiben ohne Erfolg. Wenn das AG jetzt endlich mal zu potte kommt und meine Mutter alleine im GB steht würde ich sowieso einen Notartermin ausmachen

Re: Elternteil pflegen/helfen

Verfasst: 28. Mär 2026, 13:54
von powertube
Matt-Eagle hat geschrieben: 28. Mär 2026, 09:25 Sie kommt aktuell noch ganz gut alleine zurecht und ein Fall für ein Heim wäre es noch nicht. Sie hatte eine Untersuchung dazu aber da warten wir noch auf die Ergebnisse bzw dann auch auf ein weiteres Vorgehen. In ein Heim würden wir sie nicht geben, wir würden es wohl erstmal bei uns probieren. So lange es geht.

Wir haben keine Kinder und wollten auch keine

Sie würde grundsätzlich sofort zu uns kommen aber mit 2 großen Hunden geht das nicht und die möchte Sie auch nicht aufgeben. Dazu kann ich Sie nicht zwingen und würde ich auch nicht

Bloß nicht zu euch, das ist quasi sehenden Auges ins Verderben. Wenn dann Wohnung in eurer Nähe. Ist moralisch auch nicht verwerflich dass zur Bedingung für die Unterstützung zu machen

Re: Elternteil pflegen/helfen

Verfasst: 28. Mär 2026, 14:12
von Matt-Eagle
Ich Frage mich halt wie sowas dann laufen soll..
Wenn man vergesslich ist, in eine komplett neue Umgebung kommt etc. Dinge die für uns einfach sind wie mal schnell Google Maps fragen funktionieren ja nicht. Für Sie ist das schlimmste alleine zu sein. Aktuell hat Sie an ihrem Wohnort noch mehrere Bezugspersonen/Freunde

Re: Elternteil pflegen/helfen

Verfasst: 28. Mär 2026, 17:07
von Waldo
Matt-Eagle hat geschrieben: 28. Mär 2026, 14:12 Ich Frage mich halt wie sowas dann laufen soll..
Wenn man vergesslich ist, in eine komplett neue Umgebung kommt etc. Dinge die für uns einfach sind wie mal schnell Google Maps fragen funktionieren ja nicht. Für Sie ist das schlimmste alleine zu sein. Aktuell hat Sie an ihrem Wohnort noch mehrere Bezugspersonen/Freunde
Für mich kam deshalb nur eine Lösung am Wohnort meiner Mutter in Frage. Zum Riesenglück fand sie ein Zimmer im örtlichen betreuten Wohnprojekt neben dem Altenheim. Ich konnte sogar trotz Haustierverbot ihren kleinen Hund durchsetzen. Bei 2 großen Hunden...?

Als Alternative dachte ich an eine mobile Pflegekraft, um sie so lange wie möglich in ihrer Wohnung zu halten. Sie war körperlich noch fit, der Hund hielt sie auf Trab. Nachbarn aus dem sozialen Arbeitssektor boten sich zusätzlich an, immer mal wieder nach ihr zu schauen. Die beginnende Demenz führte auch nicht zur Nachlässigkeit, wie ich anfang fürchtete, dafür aber zu einem pathologischen Misstrauen gegen jeden, auch gegen meine Schwester, außer mir. Ich konnte mit ihrer Persönlichkeitsveränderung kaum umgehen, war meine Mutter doch der offenste und herzlichste Mensch, den man sich vorstellen kann. Für sie muss es aber die Hölle gewesen sein, wenn in ihrer Vorstellung Fremde in ihrer Wohnung ständig ein und aus gingen.

Die Alternative hatte sich somit zerschlagen. Zum Glück musste ich nicht über andere Lösungen nachdenken, ich war mit fast zeitgleich einsetzender Vaterschaft und Hausbau aber so ausgelastet, dass eine Betreuung durch mich bzw. meiner Frau nicht in Frage kam. Ich hatte zuvor meinen Vater mitgepflegt, was mich fast aufgefressen hat. Das Leben verlangt mitunter harte Entscheidungen.

Re: Elternteil pflegen/helfen

Verfasst: 28. Mär 2026, 17:39
von Matt-Eagle
Vor einigen Wochen war genau so eine Wohnung bei uns im Ort frei und wir hätten sie mit etwas Vitamin B wahrscheinlich auch bekommen, die beiden Hunde wären aber nicht möglich gewesen. Das lag einfach an der Größe. Die Wohnung wäre zu Fuß von uns 10 Minuten gewesen. Bei ihr gibt's solche Wohnungen leider nicht.
Wenn ich aktuell eine Entscheidung treffen müsste würde ich wahrscheinlich mein Leben dafür "opfern" weil ich mit der Last sie im Stich gelassen zu haben wahrscheinlich nicht leben könnte.

Re: Elternteil pflegen/helfen

Verfasst: 28. Mär 2026, 18:09
von Waldo
Matt-Eagle hat geschrieben: 28. Mär 2026, 17:39 Wenn ich aktuell eine Entscheidung treffen müsste würde ich wahrscheinlich mein Leben dafür "opfern" weil ich mit der Last sie im Stich gelassen zu haben wahrscheinlich nicht leben könnte.
Ist das auch im Interesse deiner Mutter? Kann sie sich dazu noch artikulieren und vielleicht dein Gewissen entlasten?

Es mag hart klingen. Die Errungenschaften im einen Sozialstaat liegen darin, dass sich der Staat und nicht mehr die Familie um ihre Angehörigen kümmern muss. Die Verantwortung habe ich guten Gewissens an professionelle Hilfe delegiert.

Re: Elternteil pflegen/helfen

Verfasst: 29. Mär 2026, 18:33
von Matt-Eagle
Ich bezweifle das es im Sinne meiner Mutter wäre. Sie kann noch ganz normal sprechen etc. Selbst wenn Sie sagen würde es wäre in Ordnung nur einmal im Monat kommen könnte ich das nicht mit mir selbst vereinbaren