clayz hat geschrieben: 18. Jul 2025, 10:26
Jap, aber eben nicht so, wie man es selbst machen würde.
Ich bin ja bekanntermaßen kein Freund von rechts/links und unterteile Menschen lieber nach Meinungen zu verschiedenen Themen.
Aber das Problem für mich wird immer mehr, dass alles politisiert wird. Ich wusste früher von einem Großteil der Menschen überhaupt nicht,
welche Partei sie wählen oder wo sie politisch stehen. Heutzutage muss sich jeder dazu äußern (müssen ist in dem Fall so zu verstehen,
dass es viele mMn zu oft tun und andere dazu getrieben werden) und man hat auch zu jedem politischen Thema einen klaren Standpunkt zu haben.
Das sehe ich nicht und würde mir wünschen, dass die Politisierung einfach wieder mehr abnimmt.
Die Politisierung des Alltags ist in der Tat ein Graus. Alles wird politisch aufgeladen und ist Machtinstrument.
Welches Buch darf man selbst/ die Kids lesen? Welche Straßennamen hat die eigene Stadt? Wer hat in der Fußballfankurve das Sagen? Als was dürfen die Kinder sich verkleiden? Welche Wörter darf man verwenden? Wie soll man essen, heizen und sich fortbewegen? Wessen Musik darf man hören und hat der oder die nicht mal etwas problematisches gesagt und ist nun persona non grata? Der beste Pianist ist nicht der größte Virtuose, sondern der ideologisch zuverlässigste. Fördergelder werden an die Haltung geknüpft. Klassische Theaterstücke werden umgedeutet und neu interpretiert um sie von problematischen Elementen zu bereinigen.
Da kann man sich ohne Brandmauern schon freier und entspannter bewegen. Alles lesen, mit allen reden und überall etwas sinnvolles herausziehen und für sich nutzen. Getriggerte "dicke Titten und Kartoffelsalat"-Konservative gibt es auch (wegen Nietzard und Co), aber das sind nicht wirklich Rechte, einfach nur Liberale die in Ruhe konsumieren wollen wie vor 20 Jahren.
Wer sowas in die eigene Familie trägt oder sich deswegen von engen Weggefährten trennt, um den ist es vermutlich auch nicht wirklich schade.
Das ist so deprimierend und kleingeistig, dass keinerlei Ambivalenz mehr ausgehalten und zugelassen wird. Ich quatsche öfter auch mit Leuten die man dem linken Spektrum zuordnen würde und auch mit Asylbewerbern etc. Es gibt doch verschiedene Ebenen der Verständigung und Rückversicherung, man kann doch auch innerlich einfach darüber grinsen wenn man findet, dass jemand mal Quatsch erzählt. Vielleicht ist er in anderer Hinsicht ein feiner Kerl.
Man muss aber (selbst wenn man nur seine Ruhe haben und jeden machen lassen will) eine eigene Agenda haben und Themen setzen um dem entgegenzuwirken, sonst kriegt man peu a peu die Ideologie anderer aufgedrückt, die verbissen um jedes Krümchen Deutungsmacht kämpfen und staatlich alimentiert werden. Weil Liberal-Konservative das nicht verstehen, verlieren sie immer.
Klar hat jeder verschiedene Anteile (auch Rechte interessieren sich natürlich für die Natur, die Grünen hatten ja auch andere Wurzeln als heute), aber es gibt schon Kontinuitäten. Durch Betrachtung der kulturellen und wirtschaftlichen Dimension kann man es schon einigermaßen abbilden.
Ich bin zB kulturell konservativ und wirtschaftspolitisch nicht wirtschaftsliberal oder libertär (höchstens situationslibertär wegen der aktuellen Politik hehe).
In Weissmanns Beschreibung, die ich für recht treffend halte, findet man sich schon wieder und weiß, ob man sich eher in dieser Hinsicht verorten würde oder eben nicht.
In Ihren Worten: Was ist heute rechts?
Also, ich glaube, dass eine rechte Position nach wie vor markiert wird durch bestimmte Leitmotive des Denkens. Dazu gehört eine skeptische Anthropologie. Dazu gehört die Überzeugung, dass Geschichte kein Fortschritt in dem Sinne ist, dass der Mensch je etwas anderes werden kann als der alte Adam. Und: Dekadenz ist wahrscheinlicher als Grösse. Rechts ist die Bejahung der Differenz, die Ablehnung der Gleichmacherei. Rechts ist die Treue zur konkreten Gemeinschaft, der man angehört; «Stimmrecht für die Ahnen» hat Edmund Burke gesagt.
Weder das Individuum als solches noch die Menschheit als solche sind die entscheidenden Bezugspunkte für unser politisches Handeln. Der Rechte ist überzeugt, dass dieses politische Handeln von Macht bestimmt wird, vom Versuch, Machtpositionen durchzusetzen gegen andere Machtpositionen. Und das lässt sich auch nicht aufheben.