KRIMINALITÄT VON MIGRANTEN
„Einige Nationalitäten sind insbesondere bei Gewaltdelikten überrepräsentiert – und zwar krass“
Frank Urbaniok hat mit über 5000 Straftätern gesprochen. Er konstatiert: Einwanderer aus bestimmten Nationen sind deutlich häufiger kriminell als andere, auch begrenzt auf etwa junge Männer. Der Psychiater rechnet vor – und entlarvt die gängigsten Mythen.
Frank Urbaniok arbeitet als Forensiker, Psychiater und Autor in der Schweiz. Zuvor war er Chefarzt des Psychiatrisch-Psychologischen Diensts des Kantons Zürich. Der Deutsche studierte in Münster und Düsseldorf und lebt seit 30 Jahren in der Schweiz. Seit zehn Jahren hat er neben der Deutschen auch die Schweizer Staatsbürgerschaft.
Urbaniok hat in seiner Karriere über 5000 Straftäter gesprochen oder begutachtet und leitete verschiedene Therapie- und Forschungsprojekte zum Umgang mit Sexual- und Gewaltstraftätern. Für das Buch „Schattenseiten der Migration“ hat er sich mit ausländischen Straftätern beschäftigt.
WELT: Gewaltkriminalität hat in Deutschland laut polizeilicher Kriminalitätsstatistik (PKS) einen neuen Rekordwert erreicht hat. Insbesondere die Zahl der nicht deutschen Tatverdächtigen ist angestiegen. Sind Ausländer tatsächlich krimineller?
Urbaniok: Man muss das Phänomen differenziert betrachten. Einige Nationalitäten sind insbesondere bei Gewaltdelikten überrepräsentiert – und zwar krass. 2023 sind Afghanen bei gefährlicher Körperverletzung um 723 Prozent häufiger in Erscheinung getreten als Deutsche. Personen aus Gambia bei Sexualstraftaten sogar um 2114 Prozent. Es wird einem aber nicht leicht gemacht, an diese Zahlen zu kommen.
WELT: Sie haben für diese Berechnungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz die Kriminalitätsstatistiken gewälzt. Wie kommen Sie auf diese Zahlen?
Urbaniok: Man muss die Kriminalitätsquoten nationalitäten- und deliktspezifisch berechnen. Zum Beispiel waren 2023 in der PKS 4341 Afghanen wegen gefährlicher Körperverletzung registriert. Das entspricht bei einer Bevölkerungsanzahl von 419.410 Afghanen in Deutschland einer Quote von 1035,03 Tatverdächtigen auf 100.000 Einwohner. Bei Deutschen beträgt diese Quote 125,76 Tatverdächtige – gut achtmal weniger. Afghanen sind damit um 722,9 Prozent überrepräsentiert. Solche Überrepräsentationen, die zu überproportional vielen Opfern führen, sind nicht akzeptabel.
WELT: Welche Länder sind deutlich überrepräsentiert?
Urbaniok: Es gibt einen großen Unterschied zwischen den alten EU-Ländern und einigen Ländern des Balkans. Bei vielen nordafrikanischen und arabischen Ländern explodieren die Zahlen. Eine Überrepräsentation von 12.685 Prozent von Algeriern bei Raubüberfällen in Deutschland kann kein Zufall sein. Länder, aus denen weniger als 10.000 Menschen in Deutschland leben, habe ich in meinen Berechnungen nicht berücksichtigt, um statistisch sauber zu arbeiten. Wenn Sie so eine hohe Überrepräsentation sehen, müssen Sie sich fragen, warum das so ist. Da werden viele falsche Argumente ins Feld geführt.
WELT: Sie zeigen in ihrem Buch „Schattenseiten der Migration“ die Strategien von Exegeten, die das Problem der gestiegenen Kriminalität negieren. Ein Argument lautet, man könne sich auf die PKS nicht stützen, weil dort nur Tatverdächtige erfasst sind, nicht aber verurteilte Täter.
Urbaniok: Deshalb habe ich für mein Buch auch Verurteilten- und Strafgefangenenstatistiken ausgewertet. Die Überrepräsentation bleibt auch dort erhalten. Sie sehen in Deutschland, Österreich und der Schweiz eine bemerkenswert ähnliche Verteilung von Verdächtigen, Verurteilten und Strafgefangenen. Das spricht dagegen, dass das ein Artefakt einer Statistik ist.
WELT: Ein beliebtes Argument ist, dass ein Tatverdächtiger mit dem Vornamen Mohammed eher angezeigt werde als einer mit dem Namen Moritz. Was ist da dran?
Urbaniok: Dass Mohammed eher angezeigt wird als Moritz, ist ein Mythos. Bei schweren Gewalt- und Sexualstraftaten sind Polizei und Staatsanwaltschaft auch ohne Anzeige verpflichtet zu ermitteln. Und es ist auch nicht plausibel, dass einzelne Nationen häufiger angezeigt werden als andere. Bürger der Demokratischen Republik Kongo und der Republik Kongo sind unterschiedlich überrepräsentiert in der Kriminalitätsstatistik. Es dürfte aber kaum so sein, dass ein Inländer zwischen diesen Nationen unterscheidet.
WELT: Der ARD-Moderator Louis Klamroth sagte in der Diskussion um Gruppenvergewaltigungen, bei denen fast 50 Prozent der Tatverdächtigen nicht deutsch sind, man wisse nicht, woher die Tatverdächtigen kämen. Es könnten auch australische Austauschstudenten sein. Was ist da dran?
Urbaniok: Sie können diesen Argumenten nachgehen. Australier sind generell bei Gewaltdelikten und Sexualstraftaten unterrepräsentiert. Auch Touristen, die häufig als mögliche Täter angeführt werden, können Sie rausrechnen. Im WDR hieß es angesichts von Massenschlägereien in Berliner Freibädern, Hitze und der Klimawandel seien Grund für die Aggression. Kein Argument ist zu doof, um die harten Fakten zu vernebeln.
WELT: Oft wird die erhöhte Kriminalität auch durch soziodemografische Faktoren erklärt: Afghanen, Syrer oder andere Migranten in Deutschland sind meist männlich, jung und leben in prekären Verhältnissen.
Urbaniok: Wenn sie diese These überprüfen wollen, müssen Sie die Kriminalitätsquoten junger Männer nach Nationalitäten vergleichen. Dann sehen Sie, dass junge nicht deutsche Männer überrepräsentiert sind gegenüber jungen Inländern. Das gilt auch für das Argument der sozialen Verhältnisse. Vietnamesen in Deutschland sind deutlich weniger kriminell, obwohl sie sozial nicht unbedingt besser gestellt sein dürften.
Urbaniok: Kulturelle Prägungen können erhöhte Kriminalitätsquoten von Migranten erklären
WELT: Wieso sind bestimmte Nationen dann krimineller als andere?
Urbaniok: Es gibt Eigenschaften, die sind mit bestimmten Migrationshintergründen assoziiert. Das heißt nicht, dass jeder Migrant dieser Gruppe eine kriminelle Disposition hat. Es bedeutet aber, dass in dieser Gruppe kriminelle Dispositionen sehr viel häufiger sind als in der Vergleichsgruppe der Inländer. Der Grund sind kulturelle Prägungen.
WELT: Welche kulturellen Prägungen?
Urbaniok: Es gibt zum Beispiel Regionen in der arabischen Welt, in denen extremistische religiöse Vorstellungen verbreiteter sind. Es gibt keine Trennung zwischen Staat und Religion. Es gibt rigide Vorstellungen von Männlichkeit, Familie und Ehre. Klar gibt es auch durchgeknallte, aggressive Deutsche. Aber das ist nicht der Punkt. Es gibt ein zusätzliches Element: In bestimmten Regionen ist Gewalt eher ein legitimes Mittel, um Probleme zu lösen.
WELT: Kritiker sagen, hinter dem Konzept der kulturellen Prägung steckt im Kern ein völkisches Denken.
Urbaniok: Das ist ein Vorwurf, den ich zurückweise. Ich behaupte auch nicht, dass kulturelle Prägungen genetisch bedingt sind oder dass es Rassen gäbe. Wenn wir in unsere eigene Geschichte schauen, sollten wir sehen, dass auch in Europa über viele Jahrhunderte aus religiösen Gründen Kriege geführt wurden. Geschichte, Kultur, Erfahrungen können Menschen über Generationen prägen. Das sollten wir nicht vernachlässigen.
WELT: Bei einem Deutschen, der seine Ex-Frau umbringt, ist oft die Rede von krankhafter Eifersucht, eine psychologische Begründung. Beim Ausländer heißt es dann, das patriarchale Rollenbild sei schuld. Ist das nicht mit zweierlei Maß gemessen?
Urbaniok: Eifersucht als ein Risiko erhöhender Faktor für Gewalt gibt es bei Inländern und Ausländern, richtig. Bei bestimmten Nationen sind diese Taten aber einfach viel zu häufig, um sie allein durch Eifersucht zu erklären. Ich habe Fälle erlebt wie den eines Kosovaren, der in der Schweiz nicht nur seine Frau umgebracht hat, sondern auch die Leiterin eines Sozialamts, weil sie sich angeblich in die Trennung eingemischt hatte. Das empfand der Täter als Unverschämtheit und Angriff auf sein Selbstverständnis als dominanter Patriarch. Es gibt eine sogenannte delinquenzfördernde Weltanschauung, die Teil der Identität ist. Und wenn Sie diese Vorstellung tief verankert haben, ist das keine oberflächliche Meinung, die sie leicht in einem Gespräch ändern können.
WELT: Sie stützen Ihre Analyse auf ihre Erfahrungen mit ausländischen Straftätern. Mögen Sie einen Fall schildern?
Urbaniok: Ich nenne einen weiteren Fall aus der Schweiz, den Fall einer gut integrierten Familie aus dem Kosovo, zwei Söhne und eine Tochter. Als das Mädchen sich einen Freund aus einem anderen Kulturkreis suchte, bedrohte einer der Brüder sie mit dem Tod. Die Frau wurde in ein Gewaltschutzprogramm aufgenommen und erhielt eine neue Identität.
WELT: Sie haben mit dem Bruder der Frau gesprochen.
Urbaniok: Vor mir saß ein junger, eloquenter Mann, leitender Angestellter in einem Unternehmen. Und er sagte, er müsse die Familienehre verteidigen. Seine Schwester sei verrückt, psychisch krank. Sogar der Vater der Frau war nachsichtiger als der Bruder, obwohl der schon in der zweiten Generation in der Schweiz lebte. Solche Fälle habe ich bei keinem Schweizer oder Deutschen erlebt. Es gibt kulturelle Prägungen, die verschwinden nicht einfach, nur weil Sie in einem anderen Land leben. Sogar oft auch dann nicht, wenn Sie vermeintlich gut integriert sind.
WELT: Sie betonen in Ihrem Buch, dass Sie nicht per se gegen Migration sind.
Urbaniok: Wir brauchen Migration, aber wir brauchen qualifizierte und gesteuerte Migration. Den größten Bärendienst leisten kriminelle Ausländer übrigens gegenüber den gut integrierten Landsleuten. Einerseits werden sie selbst häufiger Opfer, andererseits werden sie mit Kriminellen in einen Topf geworfen. Zu sagen, alle Ausländer sind kriminell, ist natürlich Unsinn.
WELT: Sie hatten Schwierigkeiten, in Deutschland einen Verlag für das Buch zu finden. Warum wird das Thema Ausländerkriminalität oder Kriminalität bestimmter Nationen tabuisiert?
Urbaniok: Das Thema überproportionaler Ausländerkriminalität findet nicht statt, weil die Befürchtung besteht, man wird sofort in eine rassistische, rechtsradikale Ecke gerückt. Verlage hatten Angst vor einem Imageverlust oder einem Shitstorm. Das ist eine falsch verstandene Political Correctness, die am Ende auf eine weiche Zensur hinausläuft. Der kleine Schweizer Verlag Voima traute sich schließlich an das Thema ran.
WELT: Was würden Sie für den Umgang mit dem Phänomen Ausländerkriminalität empfehlen?
Urbaniok: Wir brauchen eine ehrliche Debatte über Migration und Kriminalität. Kriminalitätsquoten, die ich berechnet habe, müssten für jeden öffentlich verfügbar sein. Zweitens braucht es eine umfassende Migrationswende und eine Reform des Rechts auf Asyl. Ich schlage insgesamt 17 Maßnahmen in meinem Buch vor, darunter auch eine Null-Toleranz-Politik.
WELT: Wie sieht diese aus?
Urbaniok: Wer nicht integrationsfähig oder -willig ist und schwer kriminell wird, muss Druck spüren – bis hin zur Abschiebung oder im Falle von Doppelstaatlern zum Passentzug. Ich weiß, dass der Passentzug ein Reizthema ist. Aber wenn wir auf der einen Seite mit einer Einbürgerung Rechte schaffen, müssen wir auf der anderen Seite auch Korrekturmöglichkeiten haben. Man kann verlangen, dass Menschen, die sich einbürgern lassen, keine anderen Menschen umbringen oder Sexualstraftaten begehen. Es gibt nicht nur eine Verpflichtung für humanitäres Engagement, sondern auch eine Fürsorgepflicht des Staates für seine eigenen Bürger, dass sie nicht Opfer einer Gewalt- und Sexualstraftat werden. Rechte und Pflichten müssen in der Balance sein.
Nichts was der "böse Arbeiter und Durchschnittsbürger" nichts bereit wüsste aber dennoch erneut erschreckend wenn man die blanken Zahlen vor Augen hat aber selbst würde ja so mancher gerne wegbanalisieren wenn es um kriminelle Migranten geht.