Joa.. Update, was soll ich sagen.
Ich hab mir vor einigen Wochen viele, viele Stunden Zeit genommen, mich in das "Ding" einzulesen, das ich eigentlich habe. Mit den deutschen Bezeichnungen "Brachial-Plexus-Neuropathie, Neuroplexus, idiopathische Armplexusneuritis, akute Schulterneuritis, akute Brachialplexitis" bin ich nicht viel weiter gekommen, also habe ich meine Englischlelelelehrer-Kenntnisse zünden lassen und habe den Begriff:
Parsonage-Turner-Syndrome
gesucht. Und... leck mich am Arsch, haben mich diese Suchergebnisse umgehauen. Ich muss dazu sagen, dass mein Jahr 2023 von privaten Problemen erschüttert war und kein Einschlag komplett regeneriert wurde, bis der nächste folgte - sodass ich auch Ende Dezember/Anfang Januar überhaupt keine Kapazität hatte, mich mit meiner Situation zu beschäftigen. Arm(e) in die Schlinge, drei bis vier Gramm IBU und durchstehen. Mehr oder weniger zufällig habe ich dann im April gedacht "jetzt schau mal, was das eigentlich war". Danke an die Jungs hier im Forum, mit denen ich über WhatsApp viel darüber gesprochen habe. Ich war zwar noch nie berühmt für meine hintere Schulter oder meinen starken oberen Rücken, aber ausschlaggebend für die Recherche war tatsächlich, als meine Frau meinte: "Du hast da zwei Löcher im Rücken, war das schon immer so?"...
Das erste Video, das ich gesehen habe, war dieser alte Mann, der exakt mein Problem hatte: Ich war ein fucking T-Rex! Schulter gelähmt, die 9,5/10-Schmerzen sind natürlich nicht abbildbar. Bis Dezember 2023 dachte ich, Schienbeinkantensyndrom ist das heftigste auf der Welt, ich wurde eines besseren belehrt:
https://youtu.be/jp2aTSUN30I?si=_aVtWVAcHBtklw8f&t=70
Meine Schultern waren einfach zu einem hohen Grad gelähmt. Diese Erkenntnis hat schon gekickt. Auch Monate später noch.
Weitere Videos zeigten V-Tagebücher von betroffenen Personen, die teilweise nach Monaten noch im Eimer sind. Ich habe zunehmend realisiert, dass ich in den Top-Regeneratoren (?) bin. Einen einzigen habe ich gefunden, der noch schneller noch fitter geworden ist, als ich, aber die Youtube-Kommentare unter diesen Videos haben mir paradoxer Weise gut getan: Die Leute, vorwiegend Männer, beschreiben, wie sie nachts aufwachen und verzweifeln. Warum tut mir das gut? Weil ich realisiere, dass ich mir das NICHT eingebildet habe, dass es wirklich so verheerend war, dass ich nicht alleine war. Ich fühle mich ein bisschen wie ein Verschwörungstheoretiker, der einen anderen Verschwörungstheoretiker findet und sich alles von ihm rein zieht, aber ich fühle mich zum ersten Mal verstanden und kann nachvollziehen, wie es den Leuten geht.
Bildlich gesprochen:
Ich bin der untere Fall. Das sind diese Löcher, links und rechts atrophierter Supraspinatus, von Doc + Physiotherapeut bestätigt.
Verschiedene Studien (thx [smention u=174]labil[/smention] ) haben mir gezeigt, wie drastisch der Shit wirklich sein kann. Teilweise werden 25 % der Probanden nicht mehr dienstfähig, im Schnitt dauert es 2 Jahre, sofern es überhaupt zur vollständigen Heilung kommt. 25 % der Leute bekommen Rückfälle, damit rechne ich einfach mal NICHT. Aber auch hier sieht man in der Kommentarspalte immer wieder Leute, nach 5-8 Jahren. Ich weiß, dass ich es noch mal durchstehen würde, aber ich habe wirklich Angst davor.
Die Amis stellen ja dankenswerterweise jedes Seminar dazu online, sodass ich mich eingehend mit der Frage beschäftigen konnte, was den Shit auslöst. Ergebnis: Keiner weiß es.

lol topkek
Impfung schließe ich aus, liegt zu weit her. Ich hatte vorher 3 Tage Fieber, sonst gar nix, deshalb gehe ich von einem Virus aus. Stress kann natürlich sein. Extrem schweres Krafttraining passt zeitlich ebenfalls nicht...
Das resultierte in einem der ersten Trainings nach dieser Zäsur meines Lebens, als ich wohlwissentlich die 10er fürs KH-SD zurückgelegt und zu den 5ern gegriffen hatte:
https://youtube.com/shorts/rLuAOu3r-Zo?feature=share
Ihr seht, es ist wie ein einfach abgebrochener Ladevorgang. Ich weiß, es müsste anders sein, weil ich ein erwachsener Mann bin, aber es folgten etliche Trainingseinheiten voller Scham, in denen ich Leute bitten musste, mir zu helfen, die 10er/12,5er/ .. umzusetzen. Inzwischen gehen ab und zu die 17,5er, aber von meinen 30ern bin ich nach wie vor weit entfernt.
Ich mache beim Push-Training und optisch langsam wieder Fortschritte, beim Pull-Training bin ich inzwischen stärker, als vorher. Immerhin gehen Liegestütze halbwegs zuverlässig, vorgestern habe ich zum ersten Mal ein 3/4 Murph machen können, beim Spikeball kann ich inzwischen sagen, dass die neuronalen Aussetzer nur noch zur Seltenheit gehören und ich kann auch beidseitig wieder Bälle fangen, halbwegs zuverlässig.
Letztlich bleibt mir eigentlich nur Dankbarkeit. Ich wache jeden Morgen auf und bin froh, dass ich mein Shirt selbst anziehen kann, dass ich Zähne putzen kann - alle paar Wochen rasiere ich mir wieder selbst die Haare, ich kann meinem Beruf nachgehen, ich habe extrem schnell wieder in den Sport gefunden. Diese Dankbarkeit lebe ich auch wirklich, ich realisiere sie täglich und in jedem Training und bin nicht mehr sauer/traurig, wenn ich etwas eben noch nicht schaffe. Ob ich meine alten Kraftwerte beim Push-Training jemals wieder hinkriege, weiß ich natürlich nicht - aber das ist für mich tatsächlich nicht mehr das wichtigste auf der Welt. Traurig bin ich, dass ich jahrelang meine Chance auf den Kampfsport-Wiedereinstieg aufgeschoben habe und es jetzt wirklich nicht mehr kann - noch nicht. Noch ist es undenkbar für mich, Pratzen länger als zwei Minuten "überkopf" zu halten und dann auch noch Schläge zu kassieren. Mein Rücken schaut scheiße aus, aber hamdullah habe ich durch meine 10/10 Akne in der Jugend sowieso Tarnkappen-Look, gehe als Erlkönig ins Schwimmbad und die Löcher fallen nicht so auf haha.
Ein paar meiner Kids treffe ich im Studio, die fragen dann immer, was passiert ist und ich erzähle es ihnen, wie der berühmt-berüchtigte "früher hab ich 200 kg gedrückt"-Opa. Auch die anderen Leute, mit denen ich im Gym etwas zusammengewachsen bin, wissen inzwischen Bescheid, stellen aber keine großen Fragen. Wir kennen unsere Namen nicht mal, ihr wisst schon, typische Gym-Freundschaft.
Sie begreifen es alle nur ganz begrenzt oder gar nicht, glaube ich, ab er das ist völlig in Ordnung, ich hätte es vor 10, 15 Jahren auch nicht begriffen. Ich hätte es auch am 27.12.2023 nicht begriffen und auch nicht geglaubt. Es ist aber auch nicht wichtig, weil sich die Sonne nicht um mich dreht.
Ich habe enorm viel gelernt in diesem letzten Jahr, vor allem durch die Krankheit/den Infekt. Auch, dass man nie weiß, warum jemand eben die 10 kg-Hanteln nimmt, statt zu den 30ern zu greifen.
Vor allem deshalb war ich die letzten Monate auch kaum hier online. Shivus und ich latschen dank Garmin Steps Challenge um die Wette, er kassiert regelmäßig, weil weglaufen kann ich.
Hoffe, euch gehts gut, wir bleiben in Kontakt lg.