Re: Aktuelle Nachrichten aus aller Welt
Verfasst: 28. Okt 2024, 10:57
https://www.nzz.ch/der-andere-blick/bae ... ld.1854025
Traurig aber wahr"Die Migrationspolitik der Grünen ist scheinheilig
Ministerin Annalena Baerbock finanziert private Seenotretter mit Steuergeld, obwohl alle Koalitionspartner dagegen sind. Das sagt mehr über die Partei aus, als ihr lieb sein kann.
Allen Parteien ist mittlerweile klar, dass sich in der deutschen Migrationspolitik etwas ändern muss. Der deutsche Kanzler Olaf Scholz will «im grossen Stil» abschieben, die FDP will die Leistungen für ausreisepflichtige Asylbewerber auf ein «Bett-Brot-Seife-Minimum» kürzen, und der Chef der Christlichdemokraten, Friedrich Merz, sieht Deutschland an der «Überforderungsgrenze».
Selbst die Grünen klangen nach dem Terroranschlag von Solingen ganz anders als früher. Die Rede war von einer «Zeitenwende im Inneren». Nun aber zeigt sich, wie scheinheilig dieses Bekenntnis war. Denn während die Partei von Verschärfungen redet, tut sie genau das Gegenteil: Sie hilft dabei, das Asylrecht auszuhebeln.
In dieser Woche kam heraus, dass das Aussenministerium unter Annalena Baerbock private Seenotretter im Mittelmeer finanziert. Bis 2026 sollen Steuergelder in Höhe von insgesamt 6 Millionen Euro an die Organisationen fliessen. Und das, obwohl die Koalitionspartner diese Förderung vehement ablehnen.
Die Grünen halten daran fest, weil sie die Migranten nicht elend im Meer ertrinken lassen wollen. Das kann niemand wollen. Sie blenden dabei allerdings aus, dass sie mit den Zahlungen ein System finanzieren, das die illegale Migration nach Europa wesentlich stützt. Die privaten Seenotretter erleichtern Schleppern ihr tödliches Geschäft.
Ein zynisches System
Den Schleppern ist es egal, ob ihre Boote das europäische Festland oder eine Insel im Meer überhaupt erreichen können. Sie setzen die Migranten in marode Schlauchboote, die gerade so halten bis zum Ende der 12-Meilen-Zone, mit dem auch die Hoheitsgewässer der Fluchtländer enden. Dann, so kalkulieren die Schlepper, werden die Migranten schon von Aktivisten gerettet.
Dieses zynische System funktioniert, weil alle Beteiligten wissen: Sobald die Migranten erst einmal einen europäischen Hafen erreicht haben, haben sie es geschafft. Nur etwa jeder fünfte Ausreisepflichtige in der EU wird auch tatsächlich ausgeschafft. Die allermeisten können bleiben, auch wenn ihr Asylantrag abgelehnt wird. Das ist die Geschäftsgrundlage der Schlepper.
Die markigen Ankündigungen grüner Politiker nach Solingen und ihre tatsächliche Politik klaffen also weit auseinander. Das ist scheinheilig. Man könnte dieses Beispiel für vernachlässigbar halten; ein Überbleibsel einer überholten Politik, das nun von Gegnern der Partei genüsslich ausgeschlachtet wird. Aber es sagt viel über das grundsätzliche Politikverständnis der Grünen aus. Und es ist nicht das einzige Beispiel.
Im Zuge des sogenannten Visa-Skandals steht ein ähnlicher Vorwurf im Raum. Hier waren es sogar Mitarbeiter eines grün geführten Ministeriums selbst, die bei der Einreise behilflich waren. Laut Medienberichten haben sie Afghanen Visa für Deutschland ausgestellt, obwohl diese nur gefälschte und ungültige Papiere vorlegen konnten und die Bundespolizei genau davor warnte. Nach der Einreise konnten die Afghanen dann in Deutschland einen Asylantrag stellen. Derzeit ermitteln die Staatsanwaltschaften in Berlin und Cottbus gegen Mitarbeiter des Ministeriums.
Nur die Grünen stehen für Rechtsstaatlichkeit?
Noch laufen die Ermittlungen. Doch schon jetzt entsteht ein fataler Eindruck. Dass man es im grünen Ministerium mit Recht und Ordnung nicht so genau nimmt. Dass man ein Auge zudrückt, um Migranten den Traum von einem Leben in Deutschland zu ermöglichen. Man könnte diese Geisteshaltung wie folgt zusammenfassen: Das Glück der Zuwanderer kommt vor Gesetzestreue, Perspektive vor Paragrafen.
Wie scheinheilig die Position der Grünen ist, zeigt sich aber noch an einem anderen Punkt: der wiederholt vorgetragenen Behauptung, dass sie als einzige Partei für eine menschliche Asylpolitik stünden. Mehr noch: Folgt man ihren Mitgliedern, dann stehen allein die Grünen für Rechtsstaatlichkeit. Wer so redet, der suggeriert damit auch, dass sich alle anderen Parteien nicht um Grund- und Menschenrechte scheren. Dabei kann man auch den Grünen vorwerfen, dass sie eine unmenschliche und rechtlose Asylpolitik zementieren.
Derzeit entscheidet das Glück darüber, wer in der Europäischen Union einen Antrag auf Asyl stellen kann. Nicht diejenigen, die wirklich Aussicht auf einen positiven Bescheid haben, gelangen an die europäischen Grenzen. Sondern diejenigen, die ihre Fahrt in einem Schlauchboot über das Mittelmeer oder den beschwerlichen Marsch auf der Balkanroute überleben, oder diejenigen, die so skrupellos sind, sich gefälschte Papiere zu besorgen. Nicht ohne Grund schaffen das hauptsächlich junge Männer. Es gilt das Recht des Stärkeren.
Dabei gibt es durchaus einen Weg, Rechtsstaatlichkeit und Menschlichkeit in Einklang zu bringen. Dieser bestünde darin, die Asylverfahren in Drittstaaten auszulagern. Migranten könnten ihren Antrag ausserhalb der europäischen Grenzen stellen. Sie würden bereits dort erfahren, ob sie überhaupt eine Chance auf einen dauerhaften Aufenthalt in der EU haben. Eine solche Migrationspolitik würde das Geschäft der Schlepper wirksam austrocknen. Niemand wäre mehr gezwungen, sich auf eine potenziell tödliche Reise zu begeben.
Doch die Grünen sperren sich mit allen Mitteln dagegen. All das zeigt: Die Partei ist nicht zu einer echten Kehrtwende bereit. Dann muss sie auch mit den Folgen leben, wachsenden Zustimmungswerten für die AfD, weniger Wählerstimmen für die Grünen.
Dabei schliessen sich eine konsequente Eindämmung der Migration und linke Politik auf anderen Feldern nicht aus. Die Grünen aber sind so sehr in Sorge, ihre eigenen Werte zu verraten, dass sie lieber an einer völlig überholten Migrationspolitik festhalten. So beschleunigen sie ihren Niedergang.