Re: Aktuelle Nachrichten aus aller Welt
Verfasst: 22. Apr 2024, 15:27
Sie hat maßgeblich zur Aufklärung des Cum-ex-Skandals beigetragen, nun verlässt Oberstaatsanwältin Anne Brorhilker die Justiz. Sie will an anderer Stelle gegen Finanzkriminalität kämpfen – und teilt zum Abschied aus.
Akribisch hat sich Anne Brorhilker in den vergangenen Jahren in die juristische Aufarbeitung der sogenannten Cum-ex-Geschäfte vertieft und ist zur Chefermittlerin in der Sache aufgestiegen. Doch nun hat die Kölner Oberstaatsanwältin angekündigt, die Justiz zu verlassen. [...]
Sie wolle zur Bürgerbewegung Finanzwende wechseln.
Die 50-Jährige habe um ihre Entlassung aus dem Beamtenverhältnis gebeten, sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Köln.
Brorhilker selbst äußerte sich im WDR-Interview zu den Gründen . »Ich war immer mit Leib und Seele Staatsanwältin, gerade im Bereich von Wirtschaftskriminalität, aber ich bin überhaupt nicht zufrieden damit, wie in Deutschland Finanzkriminalität verfolgt wird«, sagte sie. »Da geht es oft um Täter mit viel Geld und guten Kontakten, und die treffen auf eine schwach aufgestellte Justiz.«
Interessant:Außerdem könnten sich Beschuldigte oft aus Verfahren schlicht herauskaufen, wenn etwa Verfahren gegen Geldbuße eingestellt würden. »Dann haben wir den Befund: Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen«, sagte Brorhilker. Sie als einzelne Staatsanwältin könne daran wenig ändern.
Worum es ging:Die Politik habe elf Jahre nach Bekanntwerden der ersten Cum-ex-Fälle noch immer nicht hinreichend reagiert. Steuerdiebstähle seien längst nicht gestoppt, es gebe Cum-ex-Nachfolgemodelle. Grund seien fehlende Kontrollen, was bei Banken und auf den Aktienmärkten geschehe.
https://www.spiegel.de/wirtschaft/anne- ... 5d1b215049Brorhilker nahm als Oberstaatsanwältin eine zentrale Rolle bei der Verfolgung von Cum-ex-Steuerbetrügern ein. In rund 120 Cum-ex-Ermittlungsverfahren wurde in Köln unter ihrer Führung gegen 1700 Beschuldigte ermittelt. Durch den Cum-ex-Betrug, der seine Hochphase von 2006 bis 2011 hatte, wurde der deutsche Staat schätzungsweise um einen zweistelligen Milliardenbetrag geprellt. Die Betrugsmasche gilt als größter Steuerskandal der Bundesrepublik.