19.10.2025 - Bottwartal Halbmarathon
Gestern war's dann so weit. Der letzte Wettkampf des Jahres stand an.
Kurz zur Vorgeschichte:
Eigentlich hatte ich nach dem Halbmarathon letztes Jahr Gedanklich mit dem reinen Laufwettkampf abgeschlossen. Triathlon ist einfach wesentlich kurzweiliger. Jetzt hab ich durch meinen Trainer aber dieses Jahr doch ein deutlich höheres Laufvolumen an den Tag gelegt als ich dachte und auch härtere Workouts gemacht. Dazu kam, dass ich ja Ende August im Urlaub war und mangels Alternative da auch nochmal einen Laufschwerpunkt gesetzt habe mit etwas über 40 km pro Woche. Auf dem Hinweg in den Urlaub hab ich dann einen Zwischenstop bei meinem Onkel gemacht, der in Köln zum Halbmarathon gemeldet war. Dann hab ich erfahren, dass ein Kollege von mir bei diesem Bottwartal Halbmarathon mit macht und mich spontan dann da auch zu gemeldet. Irgendwie ist die Laufform für meine Verhältnisse einfach zu gut gewesen um das nicht auch noch auszunutzen.
Zu der Verantstaltung:
Man konnte da zwischen 1/10tel Marathon bis 50 k Ultramarathon irgendwie alles laufen. Verteilt auf 2 Tage. Der Marathon startete in Steinheim (müsst ihr nicht kennen) und ging dann durch das Bottwartal bis nach Gronau (müsst ihr auch nicht kennen). Der Halbmarathon ist in Gronau gestartet und man ist dann zum Ziel zurück gelaufen. Also mein Auto hat dann am Ziel auf mich gewartet. Wir wurden mit Shuttlebussen zum Start gefahren. Das hat auch erstaunlich gut funktioniert alles.
Was nervig war war, dass wir dann so um 10 am Start waren und da dann rumstanden. Und ich bin um 11:15 Uhr gestartet. Bei 7 Grad. Und die dicken Klamotten hatte ich am Ziel abgegeben. Man hätte da auch am Start noch einen Beutel abgeben können. Das war aber nicht so gut kommuniziert gewesen. Der Sprecher hat uns dann irgendwie auch 10:45 in die Startaufstellung geschickt. Also ich war null aufgewärmt.
Die Strecke ging dann in den ersten 3,5 km erstmal bergauf. Dann nochmal bergab und so bei km 9 war nochmal ein Anstieg. Danach ging es dann leicht bergab bis zum Ziel. In Summe ging es mehr bergab als bergauf. Bin mir immer noch unsicher, ob es damit eher leichter oder schwerer war als auf einer ebenen Fläche

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Wettkampf - Halbmarathon
Ich hatte mir im Vorfeld eine PacePro Strategie bei Garmin angelegt. Plan war an den Anstiegen deutlich Tempo rauszunehmen. Ich hatte als Zielpace 5:15 min/km angesetzt. Das wäre laut Garmin irgendwie eine 1:53:xx gewesen.
Irgendwas ist da bei den Startblöcken schief gegangen. Ich stand in Startblock blau und in dem Block vor mir war der PaceMaker für 2:00. Alle 5 min ist ein Block gestartet. Minimalziel war also den zu überholen. Hab durch Zufall dann einen Kollegen getroffen der meinte "ich lauf so 5:30 los und dann guck ich mal". Und ich dachte "top, das mach ich auch". Wir standen ganz vorne im Startblock. Wir sind dann losgeschlappt natürlich nicht mit 5:30

. Hat sich aber soweit alles gut angefühlt.
km 1-3
Das war so der erste Anstieg. Ich hab hier viel weniger gelitten als ich dachte. Es zog sich die ganze Zeit sehr leicht bergauf und erst ganz am Ende ging es mal 50 m richtig steil. Meine Garmin Uhr hat das erste mal im Wettkampf richtig funktioniert. Und hat mir da gesagt, dass ich schon ca. 35 s vor meinem Plan war. Man hat ja schon immer irgendwie ein ungutes Gefühl wenn man so deutlich schneller läuft als geplant. Hat sich aber alles noch gut angefühlt.
km 3-9,5
Dann ging's erstmal bergab und ich bin hier mit die schnellsten km gelaufen. Bergab kann ich! Hab also meinen Vorsprung ggü. Dem Plan etwas weiter ausgebaut. Dann kam allerdings doch ein längerer, deutlicher Anstieg wo ich (ganz bewusst) dann deutlich an Tempo rausgenommen habe. Einige sind gegangen, das hab ich vermiede. Ich finde nach dem gehen wieder los laufen ist immer sau hart. Dann lieber weiter langsam schlappen als gehen. Da hab ich dann auch mal ein bisschen Zeit auf die vorgabe verloren. Der langsamste km waren 5:42 min/km.
Da ich aber schon so weit voraus war war mir das auch egal. Ich hatte ja mein Ziel vor Augen und bin auch in der Erwartungshaltung ran gegangen, dass ich bergauf deutlich verlieren werde. Als ich dann oben am Anstieg war hab ich weiter vorne den 2:00 Pacer gesehen. Minimalziel war also bald erreicht.
km 9,5-15
Das lief relativ unspektakulär. Strecke kam mir relativ eben vor. Ich bin eigentlich immer in etwa meiner Vorgabe gefolgt bzw. war meistens 2-5 s schneller. Da war ich glaube ich immer so 1:40 oder so vor dem Plan. Mental dachte ich dann schon "also unter 1:55 klappt auf jeden Fall, so sehr einbrechen kann ich jetzt garnicht mehr, dass ich so viel verliere". War schon mal cool war, weil das wäre schon ein 3 min PR gewesen.
km 16-19
Die waren schwer. Da wurden die Beine schwer. Und irgendwie kommt dann auch die Phase wo man sich fragt warum man den scheiß eigentlich macht. Es tut weh, aber es sind halt auch noch 5 km

. Hier war ich auch wieder paar Sekunden langsamer als Soll.
The End
Irgendwann sagte meine Uhr was von "2:40 schneller als Plan". Garmin hat vorher gesagt die Strecke ist 21.6 km oder so. Waren dann nur 21.2. Ich vermute deshalb hab ich da auch immer Zeit gut gemacht. Aber irgendwann kam der Punkt wo ich dachte. "Ok, könnte auch unter 1:50 werden…". Da hab ich nochmal Blut geleckt.
Generell, dadurch das ich irgendwie im falschen Startblock stand hab ich permanent Leute überholt. Von hinten kam eigentlich niemand. Das ist schon ein gutes Gefühl. KM 20 waren dann 5:12 je min ggü. Plan 5:13, somit würde ich natürlich keine 30 s mehr rausholen. KM 21 waren 4:49 statt 5:13. Da musste ich mich aber schon etwas drosseln weil ich gemerkt hab, dass das schon langsam grenzwertig war. Am Ende dann noch ein Endspurt zur Ziellinie. Da musste ich mich dann erstmal sammeln. Also ich hätte da glaube ich keine 50 m mehr weiter rennen können.
Glück und leid zu gleich
Dann folgt das Übliche: Medaille abholen, Bierchen abholen, Hefezopf holen. Dann hab ich mal das Handy gezückt und die Live-Ergebnisse gecheckt. Eine Stunde, fünfzig Minuten und eine Sekunde… da konnte ich mir einen leidenschaftlichen Fluch nicht verknieden. Die zwei Sekunden hätte ich sicherlich irgendwo noch gefunden xD. Allerdings ein PR um 5:56 min ggü. Letztem Jahr und auch deutlich mehr als ich mehr erhofft habe. Also hab ich mir davon auch die Laune nicht verderben lassen. Ich hab mich wieder selber überrascht, die Leistung hätte ich mir im Vorfeld nicht zugetraut. Ich wäre mit allem unter 1:55 eigentlich happy gewesen. Die 5:15/km hatte ich für ein Ambitioniertes Ziel an einem guten Tag gehalten. Jetzt bin ich aber noch eine Minute schneller gewesen. Läuft!
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