Sooo, ich besitze zwar nicht das schreiberische Talent wie einige andere User hier, versuche mich aber trotzdem mal:
Mammutmarsch NRW 2025 - 55km
Ich war ja vor einigen Wochen schon mal hier bei mir in den heimischen Wäldern knapp 48km mit einigen Höhenmetern gewandert, daher hatte ich ehrlich gesagt nicht wirklich viel Angst vor den 55km mit angesagten ~250HM. Respekt ja, aber keine Angst. Ich hatte mir gedacht, dass das so ne Art längerer, sportlicher Spaziergang ohne große Probleme wird.
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Den ersten Verpflegungspunkt irgendwo bei ca. 10km haben wir direkt übersprungen und nur für eine Toilettenpause genutzt. Dort war ziemlich viel los und nach 10km hielten wir es auch noch nicht für nötig zu pausieren. Also direkt weiter.
Mein Plan war ab KM5 alle 10km einen Oatbar (knapp 350 Kcal) zu essen, was bis dahin auch lief.
Ab ca. KM17 habe ich schon gemerkt, dass meine Füße heute Probleme machen werden. Ich habe gemerkt, dass sich erste Anzeichen von Blasen zeigen.
Also beim nächsten VP (vielleicht KM25?) pausiert und Socken gewechselt. Hier haben wir dann auch eine Suppe, eine Banane, ein paar Salzstangen und Kekse vom Veranstalter gegessen. Ab hier hatte sich das Thema Essen für mich dann größtenteils erledigt. Ich hatte kaum noch Appetit. Zwei Oatbars hatte ich bis dahin drin, plus das Essen vom Veranstalter.
So bei KM31 hat sich dann die Blase am rechten Fuß auch geöffnet. Ich habe relativ schnell angehalten und ein Blasenpflaster drauf gehauen. Das hat wirklich nur so Semi gut geholfen. Da musste ich schon einige Kilometer auf die Zähne beißen und habe mich mit fluchendem Humor abgelenkt. Ab hier habe ich dann auch die Wanderstöcke genutzt, um den Schwerpunkt auf den Füßen anders legen zu können.
Es ging dann irgendwann einige Stufen hoch zum Tetraeder. Das war echt ziemlich geil! Man konnte gefühlt von oben das ganze Ruhrgebiet überblicken. Einige hatten sehr mit den Stufen zu kämpfen, für uns aber kein großes Problem.
Tatsächlich war es für meine Füße auch sehr angenehm die Stufen hochzugehen - den Berg wieder runter war dann aber eine Vollkatastrophe. Das waren die bis dahin schlimmsten Schmerzen auf der Tour.
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Irgendwann kam dann aber der Punkt, an dem ich den Schmerz vergessen hatte/konnte. Wir konnten auch das Tempo wieder etwas anziehen und haben die Kilometer runtergespult. Gespräche mit fremden Menschen waren dabei sehr hilfreich.
Mein rechter Fuß sah allerdings immer schlimmer aus. Ich wurde auch mehrfach drauf angesprochen, weil man sah, dass es ordentlich blutig war.
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Für den 100er wurde mir mehrfach Hirschtalg empfohlen um Blasen zu vermeiden. Das kenne ich nicht, muss ich mal googlen.
Beim letzten VP (KM47) ist dann das Bild entstanden, dass ich gestern gepostet hatte. Hier haben wir uns nochmal 15 Minuten hingesetzt, ein paar Salzstangen und nen Schokoriegel gesnacked und nochmal Kraft getankt.
Dann ging es auf die letzten 8km. Die Reihen hatten sich hier schon deutlich gelichtet. Die ersten 10-20km war es gefühlt eine riesige, lange Menschenschlange, die sich durchs Ruhrgebiet bewegt. Hier, auf den letzten 8km hat man zwar auch immer wieder Leute gesehen, aber es war deeeeutlich weniger als zu Beginn. Ich war auch nicht der einzige, der ein ungesundes Gangbild hatte
Im Ziel angekommen war das Gefühl kurz sehr gut. Wir waren stolz, es geschafft zu haben, haben aber beide direkt gesagt, dass wir nicht wissen, wie wir die 100km schaffen sollen
Als dann das Adrenalin abgefallen ist, kamen bei beiden auch ziemlich schnell die Schmerzen durch. Auf dem Weg zum Parkplatz haben wir uns dann auf dem Zechengelände noch verlaufen, wodurch wir beide sehr genervt waren und ich richtig fuchsig geworden bin. Mein Papa, der uns abgeholt hat, hatte mitgedacht und gekühlte Getränke mitgebracht. Wir haben dann auf der anderthalb Stündigen Rückfahrt jeder zwei Bier getrunken, die wirklich, wirklich ausgesprochen lecker waren und gut taten. Ich glaube, das war eines der leckersten Biere in meinem Leben
Heute Nacht habe ich schlecht geschlafen. Werde heute den Tag mit Fußbädern, essen, trinken und couchen verbringen.
Das Training kommende Woche, vor allem Cardio werden nur eingeschränkt möglich sein. Da muss ich schauen, wie und was ich machen kann.
Ich denke morgen werde ich direkt länger schlafen, weil weder Radfahren, noch Laufen möglich sein wird.
Fotos meiner nackten Füße erspare ich euch. Es sieht abenteuerlich aus, das kann ich sagen.
Fazit
Positiv: Muskulär habe ich echt gar keine Probleme gehabt. Merke die Waden heute ein wenig, aber nichts Wildes. Keine Probleme mit irgendwas
Negativ: Füße - Blasenbildung, Verpflegung
Ich sag's wie es ist: Wären wir für den 100er nicht schon angemeldet, würde ich es (Stand heute) nicht machen. Zum Glück sind wir aber schon angemeldet, also wird auch angetreten
Da ich in meinem Leben eigentlich nie Probleme mit Blasen habe, jetzt aber mehrere, große an beiden Füßen habe: Soll ich die Dinger aufstechen, oder zu lassen? Was ist besser für die Heilung?